Carl Andre (*1935) gehört zu den Pionieren der Neuen Kunst, deren Ziel es ist, Realitäten, nicht deren Darstellung zu schaffen. Seine Skulpturen sind in ihrer Einfachheit und Präzision Orte von archaischer Präsenz. Als horizontale Anordnungen aus gleichen, meist industriell gefertigten Elementen wie Bausteinen, Holzbalken und quadratischen Metallplatten, deren einzige Manipulation in ihrer Platzierung auf dem Boden (der Ebene der Betrachter) besteht, haben seine Werke in den 1960er Jahren eine revolutionäre Erneuerung der Gattung Skulptur bewirkt. Dem auf Abbildungen und Bedeutungen fixierten Kunstverständnis ist Andre mit einer strikten Reduktion auf die primären Eigenschaften des dreidimensionalen Werks begegnet: Materialität und Gestalt. Sein Prinzip der strukturierten Repetition einheitlicher Form-Elemente hat dem Ineinandergreifen von Raum und Materie eine ganzheitliche Qualität gegeben und die Wahrnehmung der Betrachter zu einer unmittelbar körperlichen Raum-Erfahrung erweitert.

Die Raussmüller Collection verfügt über exemplarische Werke von kunsthistorischer Bedeutung, darunter das einzige originale „Equivalent“ von 1966, die legendären, ca. 9 x 12 Meter grossen „Cuts“ von 1967 und eines der frühesten, flachen Stahl-Quadrate aus Andres erster Museumsausstellung von 1968.

Siehe zu Andre auch die Publikation der Raussmüller Collection zu „Cuts“.