Neu im Fokus: Robert Ryman, Versions

“Die Fläche, die der Maler vor sich hat [wenn er zu malen beginnt] muss nicht unbedingt leer sein. Sie hat ihre eigene Präsenz und Struktur, die von einer gewissen Schönheit sein kann – sofern die Fläche als eine eigenständige Form gesehen werden kann. Und bei einem realistischen Zugang zur Malerei ist sie eine eigenständige Form. Aus diesem Grund fängt in meiner Malerei der Prozess nicht beim Auftragen der Farbe an, sondern beim Material und bei der Konstruktion der Fläche an sich.”
(Robert Ryman im Gespräch mit Urs Raussmüller)

Robert Ryman, Versions XI, 1991

In seinen Versions hat Robert Ryman genau nach diesem Grundsatz alle Bestandteile des Gemäldes benutzt um ein Ganzes zu schaffen, das die Betrachter unmittelbar angeht. Dabei werden alle Elemente des Bildes bewusst zu einem ästhetischen Gesamteindruck gefügt: Der strukturierte Malgrund aus sehr dünnem Fiberglass, den Ryman leicht grundiert hat; das darüber gelegte Raster aus feinen Bleistiftlinien, die ausserordentlich bewegt und doch locker aufgetragene Ölfarbe, die Datierung oder Signatur; selbst die zumeist weiss bemalten Nägel zur Befestigung an der Wand werden nicht ganz eingeschlagen, um einen schwarzen Schatten auf die Bildfläche zu werfen, der ebenfalls als kompositorisches Element dient.

An der Oberkante der Bilder bringt Ryman einen Streifen Wachspapier an, der unter dem Fiberglass hervor kommt und ganz locker mit Heftklammern an der Wand fixiert ist. Seine weichen Reflexionen erweitern die unglaubliche Bandbreite an Lichtabsorption und -reflexion auf der Bildfläche noch und verleihen den Werken eine Bewegung nach vorne auf den Betrachter zu.

Die 16 Bilder der Werkgruppe Versions, die in den Jahren 1991 und 1992 entstanden sind, existieren voneinander unabhängig als individuelle Werke und waren 1992 erstmals in den Hallen für Neue Kunst Schaffhausen zu sehen, gefolgt von einer Ausstellung in der Pace Gallery in New York. Den Katalog dazu mit einem Text von Christel Raussmüller und einem Gespräch mit Robert Ryman und Urs Raussmüller sowie Abbildungen der Versions finden Sie in unserem Bookshop.

Jannis Kounellis verstarb am 16. Februar 2017

Jannis Kounellis und Urs Raussmüller, Mailand, 2015

Wir bedauern den Tod eines grossen Künstlers. Urs und Christel Raussmüller kennen Jannis Kounellis seit den 1970er Jahren. Bereits 1978 hat Urs Raussmüller eine erste Ausstellung von Kounellis im InK in Zürich durchgeführt. Von 1984 bis 2014 waren wichtige Werke des Künstlers in den von Raussmüllers betriebenen Hallen für Neue Kunst in Schaffhausen zu sehen (Kounellis’ “Metamorfosi”). Die letzte Zusammenarbeit mit Kounellis fand 2015 statt: Urs Raussmüller zeigte in einer Einrichtung im Spazio Christian Stein in Mailand Schlüsselwerke des Künstlers aus der Raussmüller Collection. Mehr Informationen sowie einen Film über die Ausstellung finden Sie hier. Aus den Erkenntnissen im Umgang mit den Werken entstanden auch drei Publikationen, die einen tieferen Einblick in das Kunstverständnis von Jannis Kounellis geben.

Jannis Kounellis ist am Donnerstag Abend in Rom im Alter von 80 Jahren verstorben.

Robert Mangold, Light Ellipse / Grey Frame, 1989

Robert Mangold, Light Ellipse / Grey Frame, 1989

“Wie Wege in einem Irrgarten führen Gemälde nicht unbedingt weiter, bieten aber Raum, Gedanken zu verfolgen und daraus weitere Gedanken zu entwickeln, die manchmal in Sackgassen enden, manchmal Öffnungen schaffen und einen andere Male, Haken schlagend, wieder auf vertrauten Boden führen. Die Zwischenzeit allerdings hat die Dinge verändert, und die Erfahrung wird zu etwas Neuem.”
(Robert Mangold, Studio-Notizen)

Robert Mangolds ausserordentliches Gemälde Light Ellipse / Grey Frame aus dem Jahr 1989 verkörpert diese kreative Haltung und fasziniert und inspiriert fortwährend. In seiner Malweise verbindet der Künstler alle Elemente der Malerei wie Umrissform und Binnenform, Fläche und Linie, Farbton und Struktur zu einem ganzheitlichen Werk von einzigartiger Qualität. Davon angetrieben wollen wir mit neuen Erfahrungen auch im kommenden Jahr unbegangene Wege beschreiten. Wir hoffen, auch Sie konnten die Weichen für eine gute Zukunft stellen und freuen uns auf ein produktives und inspirierendes neues Jahr!

Die Studio-Notizen von Robert Mangold zusammen mit vielen weiteren Abbildungen seiner Gemälde finden Sie in unserem Robert Mangold Buch. Abbildungen und weitere Informationen zu Light Ellipse / Grey Frame haben wir in unserer Monographie Three Works by Robert Mangold festgehalten.

Bruce Nauman in der Schirn Kunsthalle

Die Raussmüller Collection stellt “Flour Arrangements” (1966) von Bruce Nauman in der Schirn Kunsthalle in Frankfurt aus. Das Werk, das eben noch im Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris als wegweisende Neuerung in der künstlerischen Verwendung fotografischer Techniken ausgestellt war, wird ab 28. Oktober in Dialog mit Werken von Alberto Giacometti treten. Die Ausstellung Giacometti-Nauman in Frankfurt versucht Gemeinsamkeiten im Werk dieser beiden herausragenden Künstler des 20. Jahrhunderts hervorzuheben.

Erfahren Sie mehr über “Flour Arrangements” und seine Geschichte in unseren Highlights.

Neue Publikationen zu Werken von Jannis Kounellis

Jannis Kounellis schafft seit den 1960er Jahren einzigartige Werke aus Materialien des alltäglichen Lebens, die sich durch starke physische und emotionale Wirkung auszeichnen. Seine Kunst bezieht das Leben als solches mit ein: Tiere, Pflanzen, Kohle oder Haare – Fragmente der realen Welt, die der Künstler mit poetischer Imagination in „szenische“ Verbindungen einbringt, die er „Bilder“ nennt. Damit erreichte er bereits sehr früh einen Realitätsgrad in seiner Kunst, der sich nachhaltig auf die weitere Kunstentwicklung auswirkte.

Drei wegweisenden Werken dieser Entwicklung hat die Raussmüller Collection nun fundierte Monografien gewidmet. Kenntnisreiche Texte von Christel Sauer und repräsentative Abbildungen schaffen einen Zugang zu einem wegweisenden Künstler unserer Zeit.

Erfahren Sie mehr über die neuen Publikationen in unserem bookshop.