Mit dem Casino Luxembourg verwandelte Urs Raussmüller ein Gebäude von 1882 unter Beibehaltung der historischen Bausubstanz in einen zeitgemässen Ausstellungsort, der Luxembourg verändern sollte. Die Institution, später mit dem Zusatz „Forum d’art contemporain“ versehen, ist bis heute eine lebendige Kunsthalle mit internationalem Echo.

Als Europäische Kulturhauptstadt 1995 benötigte Luxemburg einen Ausstellungsort, der einerseits in kurzer Zeit bereit stehen musste, andererseits – im Hinblick auf einen geplanten späteren Museumsneubau – kostengünstig sein sollte. Urs Raussmüller gelang mit seinem Vorschlag für die Umgestaltung des ehemaligen Casino Bourgeois eine ästhetisch und funktionell überzeugende Lösung. Er schuf dabei nicht nur die Architektur, sondern eine ganze, bis heute funktionierende Institution.

Grundriss des Casino Luxembourg.
Grundriss Erdgeschoss: Die Ausstellungsarchitektur wurde in das bestehende Gebäude integriert.

In das in einen elementaren Zustand zurückgeführte Casino stellte Raussmüller 13 neutrale, nach oben offene Kuben und schuf damit eine ideale Ausstellungsstruktur. Die Raumfolgen sind von Zwischenräumen unterbrochen, in denen das alte Casino sichtbar wird. Jeder Kubus bildet eine Einheit für sich, was einen konzentrierten Fokus auf die jeweiligen Kunstwerke erlaubt.

Ziel in jeder Phase der Konzeption und des Umbaus war das Bedürfnis, dem Kunstwerk Fläche, Raum und Licht zu seiner optimalen Entfaltung zu geben. Nach dem Ende des Kulturjahres in Luxemburg wurde das Casino zum ersten und einzigen Forum für zeitgenössische Kunst in Luxemburg. Bis heute hat es zum Ziel, Vielfalt und Komplexität der bildenden Künste der Gegenwart sichtbar zu machen.

Jannis Kounellis, Senza titolo, 1972, Ausstellungsansicht Casino Luxembourg, Basel, Raussmüller Collection.
Jannis Kounellis‘ Senza titolo (1972) in der Ausstellung Main Stations im Casino Luxembourg.

Die beiden von Urs Raussmüller durchgeführten Initial-Ausstellungen 1995/96 konnten die Vielseitigkeit und Adaptionsfähigkeit der Ausstellungsarchitektur unter Beweis stellen: Die Eröffnungsausstellung „Luxe, calme et volupté. Regards sur le Post-Impressionnisme“ mit Werken unter anderem von Van Gogh, Cézanne und Gauguin, warf einen Blick auf die Sammlertätigkeit im schweizerischen Winterthur zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die darauf folgende Ausstellung „Main Stations“ lenkte mit Werken von Pollock, Warhol, Newman, Stella und deren Zeitgenossen den Fokus auf die Gegenwart und die grossen Neuerungen in der Kunst seit 1950. Zu beiden Ausstellungen wurden Kataloge von Urs und Christel Raussmüller herausgegeben.