Mario Merz
My home’s wind, 1978

Mario Merz hat immer wieder Häuser gebaut – oft in der organischen Form von Iglus und Jurten. Er hat dafür meist Materialien ohne offensichtlichen Wert verwendet, Gefundenes, Steine, Reisig, Glas. Wie ein Nomade hat er die Stücke übereinander geschichtet, ohne sie fest zu fixieren – immer so, dass die Häuser wieder abgebaut und woanders neu errichtet werden können. Seine Iglus haben auf der ganzen Welt das Bild geprägt, das sich mit Merz’ Kunst verbindet. Doch wie unterschiedlich und subtil Merz die elementare Form nutzte und wie vielseitig die Bedeutungen sind, die er ihr gab, ist in dem Reichtum der vielen Varianten erst noch zu entdecken.

Merz war ein kluger und empfindlicher Mann, der sein Leben lang versuchte, der gesellschaftlichen Oberflächlichkeit mit Inhalten und Phantasie entgegenzuwirken. Sein Iglu mit dem Titel „My home’s wind“ ist das Meisterstück eines poetischen Bildes und hat alle Züge einer magischen Situation. Das ganze Gebilde ist von einer Leichtigkeit, die an Auflösung grenzt und sich als Stimmung zwischen Befreiung und Melancholie überträgt. Das Prinzip der Offenheit hat hier seine Metapher gefunden, und die Bewegung des Windes gewinnt sinnliche Qualität. Ich selbst bewege mich mit dem Wind, der aus der Vergangenheit kommt und mich in die Zukunft trägt. Ich spüre die geistige Freiheit, die er mit sich führt und erfahre die Durchsicht als Lebensgefühl.

Es ist diese physische Intensität, die dem Werk von Mario Merz eine besondere Präsenz verleiht. Mit ihr verbunden ist ein Gehalt, der wie ein Rätsel den Schlüssel zu seinem Verständnis nicht sogleich mitliefert. Das steigert die Faszination eines Werks wie „My home’s wind“. Merz schafft dem Menschen einen Ort in der Zeit, ohne ihn dort zu verankern. Der Eingang zu diesem Ort kann auch vom Boden abgehoben sein – wie die rote Autotür dieses filigranen Iglus.