Robert Mangold
Four Color Frame Painting #7 (yellow-green, red, red-orange, light blue), 1984

Unsere Vorstellung von einem Gemälde orientiert sich gewöhnlich an der Tradition, und das traditionelle Bild ist in der Regel so aufgebaut, dass der wichtigste Teil sein Zentrum ist. Hier spielt sich das wesentliche Geschehen ab, hier wird die Darstellung ins richtige Licht gerückt, und hierhin wird der Blick der Betrachter gelenkt.

Nichts davon findet sich bei einem Mangold-Werk wie diesem. Man kann nicht einmal von einem Bild sprechen, denn es gibt keine Darstellung von etwas. Und vor allem: das Zentrum ist offen und zeigt nichts anderes als die weisse Wand. Und doch haben wir ein Gemälde von grosser Intensität und Ausstrahlung vor uns. Es verfügt über so viel Energie, dass seine Oberfläche uns physisch entgegenkommt. Die gesamte Wand reagiert dynamisch und lässt keinen Zweifel, dass sie voll in die Wirkung einbezogen ist. Die vier aneinander montierten Farbfelder des „Four Color Frame“ erzeugen in Verbindung mit dem Raum eine Spannung, die auf die Betrachter übergreift. Hier findet also das Geschehen statt – ausserhalb des Gemäldes, doch ausgelöst durch dessen Beschaffenheit und Qualität.

Was hat Mangold gemacht? Er hat vier längliche Rechtecke von unterschied-licher Breite jeweils ganz mit einer Farbe bemalt und dafür eine ziemlich ungewöhnliche Kombination von Tönen benutzt. Die Teile sind rückwärtig zu einem rechtwinkligen „Rahmen“ verschraubt. Vorne werden sie von einer ovalen Graphitlinie zusammengebunden, die alle Flächen durchläuft und wie der Farbauftrag in Schichten aufgebaut ist. Das Ganze ist bei aller Rauheit von grösster Präzision; allein schon der Verlauf der von Hand gezeichneten Linie verdient es, sehr genau betrachtet zu werden. Überhaupt ist dieses Werk in seiner Konzeption wie in der Ausführung eine Herausforderung an die Wahrnehmung – Ausdruck und Auslöser eines Vorgangs, der Intelligenz mit Emotion auflädt.