Robert Mangold
Light Ellipse / Gray Frame, 1989

Robert Mangold zählt zu den grossen Erneuerern der Malerei. Ein Gemälde wie „Light Ellipse / Gray Frame“ hat es vor ihm nie gegeben. Weit über die ungleichen Kanten hinaus breitet sich das Werk auf der Wand aus. Mehr noch: Die Wand ist ein Bestandteil des Werks und unmittelbar in seine Konstruktion einbezogen. Frei von der Einbindung in die Rechteck-Form öffnet sich das Gemälde in den Raum.

„Light Ellipse / Gray Frame“ besteht aus zwei Bildteilen, von denen jeder ein eigenes starkes Gemälde ist. Der Titel des Werks beschreibt ihre Eigenart. Bei aller Unterschiedlichkeit der Gestaltung halten sich die beiden Teile vollkommen im Gleichgewicht. Sie treffen sich nur an ihrem höchsten Punkt – und bilden dennoch ein grosses Ganzes.

Mangold bringt die Elemente der Malerei zu einer völlig neuen Wirkung. Die Form gibt dem Werk seine Ausdehnung und seine Öffnung zur Wand. Die Farbe ist das Material, das durch die Art des Auftrags und die Wahl der Töne das Gemälde nach vorn, auf den Betrachter zu, wirken lässt. Die Linie bindet das Ganze zusammen und verhindert die Illusion eines „Bildraums”.

Die Gemälde von Robert Mangold bilden immer eine grosszügige Einheit. Alle Elemente treten gleichwertig und ohne demonstrativen Effekt in Erscheinung. Sie verbinden sich scheinbar selbstverständlich und vermögen gleichzeitig, Spannung zu erzeugen. Das „Geschehen“ im Gemälde wie darüber hinaus ereignet sich durch das präzise Zusammenwirken der Teile.

Die Betrachter erleben „Light Ellipse / Gray Frame” als ein verblüffendes Phänomen. Die physische Präsenz der unregelmässigen Farbflächen vor ihnen erschwert ihnen, eine distanzierte Haltung einzunehmen. Von dem Kunstwerk geht eine Energie aus, die seiner ruhigen Ausstrahlung widerspricht. Die Komplexität hinter der „einfachen” Oberfläche versetzt die Betrachter in Staunen.