Carl Andre
Cuts, 1967

„Cuts” ist ein Hauptwerk der Neuen Kunst. Nie zuvor hat ein Künstler eine Skulptur geschaffen, die mit vergleichbarer Konsequenz demokratische Grundprinzipien umsetzt und entsprechend auf die Wahrnehmung der Betrachter einwirkt. Es gibt keine hierarchischen Aspekte in diesem monumentalen Werk. Die Elemente, aus denen es besteht – Normbausteine aus Zement – sind gleich und gleichwertig und formen zusammen das Ganze. Sie besetzen dieselbe Ebene wie die Betrachter und fordern durch ihre Masse und horizontale Ausdehnung deren aktives Verhalten heraus. Jede Veränderung des Standpunkts eröffnet den Rezipienten neue Einsichten in die Vielseitigkeit einer scheinbar homogenen Gesamtheit.

„Cuts” besteht aus der seriellen Anordnung von 1232 Bausteinen, die sich zu einem kompakten Feld mit 8 „Einschnitten” verbinden. Die Grundfläche der Einschnitte ist gleich, ihre Form variiert zwischen einer Linie und einem fast quadratischen Rechteck. In jedem Fall sind 30 Steine ausgespart, doch die unterschiedliche Konstellation der Öffnungen erschwert die direkte Entschlüsselung des Prinzips.

Als zentrales Werk der Minimal Art findet sich „Cuts” in vielen Publikationen abgebildet. Aber zu erleben war das Werk lange nicht. Nach der legendären Ausstellung 1967 in der Dwan Gallery, Los Angeles, wurden die Steine wieder ihrer Funktion als Baumaterial zugeführt. Urs Raussmüller hat das Werk als Konzept vom Künstler erworben, die Zementsteine in den Massen 4 x 8 x 16 Inch aus den USA nach Schaffhausen transportieren lassen und „Cuts” (mit einem Gesamtgewicht von mehr als 16 Tonnen) im Mai 2000 in den Hallen für Neue Kunst errichtet.