Die Hallen für Neue Kunst in Schaffhausen waren das führende Museum für die Neue Kunst, wie sie sich in den 1960er und 70er Jahren in Europa und den USA entwickelte. Konzipiert und geschaffen von Urs und Christel Raussmüller, wurden sie von ihnen während 30 Jahren mit innovativen Ideen als private Institution geführt. Sie bestanden von 1984 (Eröffnung) bis 2014.

Urs Raussmüller schuf mit den Hallen für Neue Kunst die erste konsequente Transformation eines Industriegebäudes in ein Kunstmuseum. Mit seinem architektonischen und künstlerischen Konzept hat er weltweite Resonanz ausgelöst. Auf 5’500 qm machte er in exemplarischen Präsentationen Hauptwerke der „Neuen“, raumbezogenen Kunst zum Erlebnis. Als Prototyp einer neuen Museumskonzeption wurden die „Hallen“ zum Vorbild prominenter Folgeprojekte wie The Andy Warhol Museum in Pittsburgh oder Dia:Beacon im Staat New York. Entstanden sind die Hallen für Neue Kunst mit dem Ziel, der damals noch kaum rezipierten Neuen Kunst Raum und Zeit für ihre Wirkung zu geben. Motiviert wurde ihre Errichtung durch Urs Raussmüllers Versprechen an Joseph Beuys, ihm einen Ort für sein geplantes „Monument für die Zukunft“ zu schaffen. Den Gemälden von Robert Ryman gab Raussmüller kontinuierliche Präsenz mit drei beispielhaften, langfristigen Einrichtungen. Bruce Nauman zeigte er mit grossen architektonischen Skulpturen, Mario Merz mit einer breiten Auslage seiner Installationen. Mit repräsentativen Werkgruppen vertreten waren zudem Carl Andre, Dan Flavin, Jannis Kounellis, Sol LeWitt, Richard Long, Robert Mangold und Lawrence Weiner.

Joseph Beuys, Das Kapital Raum 1970-1977 in den Hallen für Neue Kunst.
Die Architektur von Urs Raussmüller für Joseph Beuys‘ Monument.

Die „Hallen“ waren ein Museum im Sinne der Künstler. Sie verkörperten eine Verbindung von Kunst und Architektur, die als „Modell Schaffhausen“ in die Geschichte einging. Als Werk des Künstlers Urs Raussmüller gelten sie bis heute selbst als künstlerisches Manifest. Mit ihrem klaren Konzept, der Qualität ihres Inhalts und der Ganzheitlichkeit ihrer Gestaltung hatten sie eine kreative Ausstrahlung, die über den Begriff von Museum weit hinaus ging. Auch die Übertragung der Inhalte an die Öffentlichkeit war auf allen Ebenen richtungsweisend.

„Die Hallen für Neue Kunst sind das superbe Beispiel einer Institution, die es geschafft hat, Kunst so zu präsentieren, wie die Künstler das idealerweise möchten: viel Raum, viel Licht, keine Didaktik – die simple Präsentation der Werke. Dazu kommt ein Bemühen um Tiefe […] um eben der Obsessivität näherzukommen. Dem, was der Künstler sucht.“ (Sir Nicholas Serota, Direktor Tate Gallery, London)

Da die Situation in Schaffhausen die Zukunft der Institution in Frage stellte, die Stadt die nach 30 Jahren notwendigen baulichen Massnahmen an ihrem Gebäude nicht übernehmen konnte und ein jahrelanger Prozess gegen die Stiftung für neue Kunst auf Herausgabe des Werks „Das Kapital …“ von Schaffhauser Gerichten zu Ungunsten der Stiftung und damit auch von Raussmüllers entschieden wurde, beschlossen Raussmüllers 2014, ihre Aktivitäten in Schaffhausen abzubrechen und auf unabhängiger Basis in Basel fortzusetzen.