International bekannt wurde der Name Raussmüller vor allem durch die wegweisenden Institutionen, die Urs Raussmüller auf der Basis seiner exemplarischen Kulturkonzepte errichtete und betrieb: darunter InK, die inzwischen legendäre Halle für internationale neue Kunst in Zürich und die weltweit renommierten Hallen für Neue Kunst, Schaffhausen. Aktuell realisiert er die Raussmüller Hallen in Basel.

Hallen für Neue Kunst, Schaffhausen

Die Hallen für Neue Kunst in Schaffhausen (1983/84 – 2014) waren das führende Museum für die Neue Kunst, die sich in den 1960er und 70er Jahren in Europa und den USA entwickelte. Von Urs Raussmüller als erste konsequente Transformation eines Industriegebäudes in ein Kunstmuseum geschaffen, zeigten sie auf 5’500 m2 eine Präsentation von Kunst, die dem Charakter der Werke entsprach und als „Modell Schaffhausen“ in die Geschichte einging. Raussmüller hatte ein Museum im Sinne der Künstler geschaffen, das bis heute selbst als künstlerisches Manifest gilt und weltweit zum Vorbild prominenter Folgeprojekte wurde. Nachdem Urs und Christel Raussmüller die Hallen für Neue Kunst während 30 Jahren mit grosser Kunst und innovativen Ideen als private Institution geführt hatten, schlossen sie die Institution 2014, um ihre Aktivitäten auf unabhängiger Basis in Basel fortzusetzen.

InK. Halle für internationale neue Kunst, Zürich

InK war mehr als die Ausstellungsinstitution für (später) weltberühmte Künstler, als die sie legendär wurde. Raussmüller verwirklichte ein wegweisendes Kunstförderungskonzept, das er für den Migros Genossenschafts-Bund entwickelt hatte: Künstler wurden eingeladen, im InK neue Werke zu realisieren oder zu präsentieren. Sie erhielten Räume, Assistenz und ein Honorar, und die Werke blieben in ihrem Besitz, sofern sie nicht für die von Raussmüller neu konzipierte Kunstsammlung des MGB (heute: Migros-Museum für Gegenwartskunst, Zürich) oder von ihm privat erworben wurden. Zwischen 1978 und 1981 führten Raussmüllers ca. 60 Ausstellungen mit 82 Künstlern durch. Sie ergänzten die Installationen durch Konzerte, Lesungen und Performances und verbreiteten sie in den InK-Dokumentationen. 1981 wurde dem erfolgreichen Kunstförderungsprojekt durch eine Umnutzung der städtischen Liegenschaft ein abruptes Ende gesetzt.

Renn Espace, Paris

Renn Espace d’art contemporain wurde 1990/91 von Urs Raussmüller als nicht kommerzieller Ort für zeitgenössische Kunst für den Regisseur und Filmproduzenten Claude Berri realisiert. Raussmüller befreite eine mehrstöckige, ehemalige Druckerei im Zentrum von Paris von allen Einbauten und schuf unter einem Glasdach eine grosszügige, helle Architektur – mit dem Ziel, bedeutende Kunst im Pariser Licht zur Geltung zu bringen. Vor allem seine Ryman- und Yves Klein-Ausstellungen wurden als emotionale Ereignisse gefeiert. Ende der 1990er Jahre übernahm Karl Lagerfeld den unvergleichlichen Ort als sein Studio 7L.

Casino Luxembourg, Luxemburg

Mit dem Casino Luxembourg verwandelte Urs Raussmüller ein Gebäude von 1882 unter Beibehaltung der historischen Bausubstanz in einen zeitgemässen Ausstellungsort, der, später mit dem Zusatz „Forum d’art contemporain“ versehen, von 1995 bis 2015 als lebendige Kunsthalle mit internationalem Echo aktiv war. Raussmüller schuf mit der Architektur zugleich auch die Konzeption und Gestaltung einer professionellen Institution, die er 1995 im Rahmen der Aktivitäten von Luxemburg als Europäische Kulturstadt mit einer spektakulären Postimpressionismus-Ausstellung einweihte. 1996 vollzog er mit der Ausstellung Main Stations (Neuerungen in der Kunst seit 1950) den Übergang zur Gegenwartskunst. 2015/16 wurde das ehemalige Casino Bourgeois wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt.

 

Ausstellungsverzeichnis von Urs Raussmüller

Publikationsverzeichnis von Urs Raussmüller und Christel Sauer als Autoren, Herausgeber und/oder Verleger